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Samstag, 20 Juli 2019

Geschichtswerkstatt

Mönchengladbach

FrauenVita | Frauen- geschichtsverein e.V.
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Geschichtswerkstatt Mönchengladbach
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Ges. f. Christl.- Jüd. Zusammenarbeit e.V.
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Theo-Hespers-Stiftung e.V.
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Die Erneuerung der Lebensverhältnisse ist aber nur dann praktisch durchführbar, wenn ihr eine neue Gesinnung zu Grunde liegt" | Theo Hespers 1938

Aktivitäten der Vereine


FrauenVita/Frauengeschichtsverein
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Geschichtswerkstatt
Mönchengladbach und seine Richtlinien für Straßenbenennungen (LagebezRL MG) „Ich rede von der Demokratie als etwas Kommendem. Das, was schon jetzt so heißt, unterscheidet sich von den älteren Regierungsformen allein dadurch, daß es mit neuen Pferden fährt: Die Straßen sind noch die ...
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Gladbacher Haus der Erinnerung
Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus (Internationalen Holocaust-Gedenktag) Auch dieses Jahr hatten die beiden Mitgliedsvereine des "Gladbacher Haus der Erinnerung e.V.", die Gesellschaft für Christlich-Jüdische-Zusammenarbeit MG e.V. und die Theo-Hespers-Stiftung e.V. zu einer ...
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Geschichtswerkstatt
Ein Diskussionspapier „Die gestaltete Stadt kann ‚Heimat‘ werden, die bloß agglomerierte nicht, denn Heimat verlangt Markierungen der Identität eines Ortes.“ (Alexander Mitscherlich) [2]     Schon lange machen sich mehr oder weniger kluge Köpfe in und ...
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Geschichtswerkstatt
MENSCHEN KOMMEN,GEHEN UND VERÄNDERN DIE STADT von Karl Boland (Hrsg.), Hans Schürings (Hrsg.) Das Anliegen des Buch es ist es, am Beispiel der Stadt Mönchengladbachzu zeigen, dass Zu- und Abwanderungen von Menschen bzw. Menschengruppenin ihren vielfältigenFormen und Erscheinungen im ...
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Gladbacher Haus der Erinnerung
Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus (Internationalen Holocaust-Gedenktag) Im neuen Ernst-Christoffel-Haus, dem evangelischen Gemeindehaus an der Wilhelm-Strauß-Straße in Mönchengladbach-Rheydt, fand die diesjährige Gedenkstunde für alle Opfer des Nationalsozialismus ...
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Geschichtswerkstatt
Nicht nur in Krefeld, auch in der Vitusstadt gab es einst eine florierende Seidenindustrie. Hans Schürings von der Geschichtswerkstatt erläutert am Beispiel des ehemaligen Unternehmens Max Arnz, welche Bedeutung diese zeitweise hatte. Das ursprüngliche Werk um das Jahr 1950 herum. 1929 war ...
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Theo-Hespers-Stiftung
Rückblick auf den Festakt vor der zukünftigen Theo-Hespers-Gesamtschule vom Samstag, 9. September 2017 Ansprachen Ferdinand Hoeren, Theo-Hespers-Stiftung e.V. Hans Wilhelm Reiners, Oberbürgermeister Susanne Titz, Museumsdirektorin Abteiberg (Raphaela Hahn, Schulleiterin der ...
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Geschichtswerkstatt
Die Gladbacher Spinnerei und Weberei AG – heute Berufskolleg „Die Gebäude der Gladbacher Aktienspinnerei und Weberei kennzeichnen beispielhaft die Entwicklung der Fabrikarchitektur im Rheinland um 1850. Diese stellt sich durch eine bewußte Inszenierung mit Bedeutungsformen aus der ...
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Gladbacher Haus der Erinnerung
An alle Ratsmitglieder der Stadt Mönchengladbach Sehr geehrte Damen und Herren, der Vorstand des GHE begrüßt es, dass der Rat beschließen will, dem „Riga-Komitee“ beizutreten, und die Stadt Mönchengladbach sich verpflichtet, für Erhalt und Pflege der Gedenkstätte in Riga mindestens ...
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Geschichtswerkstatt
„Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl“ Herbert Grönemeyer   Wenn von Heimat gesprochen wird hat dies sehr viel mit Tradition vor Ort bzw. dem näheren individuellen Umfeld zu tun. Dazu gehören vor allem Gefühle, Erinnerungen und soziale Anbindungen und Zugehörigkeiten, ...
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Geschichtswerkstatt
Kriegserfahrungen und Alltagsbewältigung von Karl Boland (Hrsg.), Hans Schürings (Hrsg.) Wie hat der Erste Weltkrieg das Leben in Mönchengladbach geprägt? Die Beiträge des Bandes beschäftigen sich mit den Geschehnissen in den Städten und Gemeinden in der Region, die heute die Stadt ...
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FrauenVita/Frauengeschichtsverein
Der Frauengeschichtsverein FrauenVita stellte sich der Öffentlichkeit zu Eröffnung des Gladbacher Hauses der Erinnerung (GHE) unter dem Thema „Frauenbilder - Frauengeschichten“ vor – gleichlautend zum Titel der Ausstellung, die an diesem Tag in den neuen ...
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Geschichtswerkstatt
Mönchengladbacher Lokalhistorie Die „Geschichtswerkstatt“ hat jetzt in den Räumen des „Gladbacher Hauses der Erinnerung“ einen Raum gefunden, im dem lokalhistorische Projekte erarbeitet und einem interessierten Publikum vorgestellt werden können. Die Arbeit ...
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Geschichtswerkstatt
Dr. phil Doris Sessinghaus-Reisch vom Mittwoch, 7. Dezember 2016 im Gladbacher Haus der Erinnerung     Geschichtswerkstatt Mönchengladbach
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Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
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Erinnerungskultur im öffentlichen Raum

Mönchengladbach und seine Richtlinien für Straßenbenennungen (LagebezRL MG)

Ich rede von der Demokratie als etwas Kommendem. Das, was schon jetzt so heißt, unterscheidet sich von den älteren Regierungsformen allein dadurch, daß es mit neuen Pferden fährt: Die Straßen sind noch die alten und die Räder sind auch noch die alten.

Friedrich Wilhelm Nietzsche

Zur Zeit wird (mal wieder) in Mönchengladbach heftig über Straßennamen bzw. Straßenumbenennungen diskutiert. Meist jedoch nicht öffentlich, sondern vermehrt, abgesehen vom Kulturausschuss, in einigen Hinterzimmern. Es fehlt an einer öffentlichen politischen Gesprächs- bzw. Streitkultur in Mönchengladbach. Es fehlt offensichtlich auch ein lebendiges Interesse daran, dass Straßennamen etwas aussagen sollten zu dem, was die Stadt geprägt hat und prägen soll und was die Stadt als Bestandteil ihres Selbstbewusstseins (Marke) pflegen möchte. Apropos pflegen: ja, Straßennahmen sollten in einer Kommune gepflegt werden. Sie sind nicht einmal da und bleiben für die Ewigkeit, sondern sind dem historischen Wandel unterworfen.

Hier ist es üblich Straßen nicht durchzunummerieren, wie z.B. in New York. Sie erhalten einen Namen, das können geographische, florale oder sonstige Begriffe sein, vielfach aber auch Personen. Gerade dabei kommt es immer wieder zu unterschiedlichen Auffassungen. Grundlegender aber als diese oder jene Straße zu benennen oder gar umzubenennen ist die politische Kultur bzw. Haltung die dahintersteht oder wie man damit umgeht. Eine städtischerseits praktizierte und erklärte Erinnerungskultur wäre wünschenswert – kontinuierliche Pflege eben.

Grundlage für die Benennung von Straßen und Plätzen sind die „Allgemeinen Richtlinien für die Straßenbenennung und für die Nummerierung von Gebäuden in der Stadt Mönchengladbach – Lagebezeichnungsrichtlinien“ oder kurz: LagebezRL MG. Darin heißt es unter §2 (6) 2.: „Personennamen der neueren Geschichte sollen nur dann verwendet werden, wenn ihr Geschichtsbild nach Persönlichkeit, Verhalten und Nachwirkung abgeklärt ist und überwiegend positiv bewertet wird.“ Zur Klärung: Gemäß wissenschaftlichem Verständnis beginnt die „Neuere Geschichte“ mit der Französischen Revolution.
Doch wie passen Straßennamen wie Ostmark-, Lettow-Vorbeck-, Hindenburg-, Carl-Diem- aber auch Heinrich-Lersch-Straße, letztere bekannte historische Personen des 20. Jahrhunderts, in die heutige Zeit? Diese Personen werden heute kritisch hinterfragt und es entstehen Forderungen nach Straßenumbenennungen. Zentrale Fragestellung: Stellen die Straßennamen Ehrungen der genannten Personen dar oder sind sie Ausdruck des jeweiligen Zeitgeistes? Wird ihr Verhalten und ihre Persönlichkeit heute überwiegend positiv bewertet? Fragen, die gestellt und beantwortet werden müssen.

Historisch betrachtet, kennen wir in der neueren deutschen Geschichte u.a. zwei Zeitepochen, die sich selbst ja als große Zeitenwende betrachteten und die mit flächendeckenden Straßenum- und neubenennungen auch dafür sorgen wollten, dass das Publikum dies im Alltag auch dauerhaft nicht aus dem Blick verlor. Das war einmal die Eroberung der Rheinlande durch die Franzosen zur Zeit der Herrschaft Napoleons und das war die NS-Herrschaft in Deutschland. Aus der ersten Zeitenwende sind noch zahlreiche Straßennamen erhalten und aus der Zeit des „Dritten Reiches“ sind die Straßenumbenennungen aus guten Gründen nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft größtenteils wieder rückgängig gemacht worden. Wir sehen also, dass was dran ist, an der Zeitgeistabhängigkeit von Straßennahmen.

Meist geht es dabei nicht um Argumente und Fakten, die meist schon wissenschaftlich belegt sind, sondern um Werte, Haltungen und Einstellungen, mal abgesehen von rein praktischen Erwägungen und Interessen der Anwohner oder politscher Entscheidungsträger. Kurz: Welche Werte stehen dahinter?
Immer wieder wird politisch betont, dass es ein hohes Gut ist, gerade in Tagen der Würdigung des Grundgesetzes, Demokratie und Menschenrechte zu verteidigen. Doch was bedeutet dies konkret im Alltag einer Kommune, konkret bezüglich z.B. der Lettow-Vorbeck-Strasse am Bunten Garten in Mönchengladbach? Der General Paul von Lettow-Vorbeck war nachweislich am Genozid der Herero und Nama in Afrika beteiligt (ca. 90.000 Menschen). Gerade heute sollen aber demokratische und soziale Werte unter Beweis gestellt werden.

Kritiker einer Diskussion verweisen gerne darauf, dass Straßenumbenennungen in Mönchengladbach nicht möglich sind. In §2 (7) der o.a. LagebezRL MG steht: „Straßenumbenennungen dürfen nur dann erfolgen, wenn diese aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erforderlich sind.

Umso verwundert reibt man sich die Augen, dass dies offensichtlich sehr einfach und geräuschlos möglich ist. Erstes Beispiel: Der Straßenabschnitt „Am Minto“. Hier wurde kurzerhand ein Teilstück der alten Stepgesstraße, zwischen Steinmetz- und Hindenburgstraße, in „Am Minto“ umbenannt. Dies entspricht eindeutig und ganz unideologisch nicht der o.a. LagebezRL MG.

Deutlicher wird dies noch bei der Umbenennung eines halben Straßenzuges, nämlich der Karmannsstraße in Santander Platz. Diese Straßen gehen von der Sternstraße bis zur Aachener Straße. Von einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung kann hier wohl kaum die Rede sein, dennoch wurde eine Straßenumbenennung vorgenommen. Dazu darf sich jeder seinen Teil denken.

Helga Stöver< Erläuterungsschild zum Helga Stöver Park in Lürrip, Neusser Straße, zwischen Am Dommer und Nakatenusstraße, Foto: Hans Schürings, 2019

Aktuelles Beispiel: die Umbenennung eines Teilstücks der Abteistrasse in Johannes-Cladders-Platz. Ein weiteres durchaus positives Beispiel stellt die Benennung einer Wiese in Lürrip durch Aktivitäten einer kleinen Bürgerinitiative in Helga-Stöver-Park an der Neusser Straße dar, zwischen Am Dommer und der Nakatenusstraße. Dort wurde, ähnlich wie beim Cladders-Platz, auch ein erläuterndes Schild sichtbar aufgehängt.

Derzeit ist die Umbenennung einer Lettow-Vorbeck-Straße, aber auch die Hindenburgstraße in Mönchengladbach politisch nicht möglich. Dass es Alternativen gibt, zeigt das Beispiel Karlsruhe. Die Stadt Karlsruhe ergänzte die vorhandene Treitschke-Straße durch einen Zusatz: „Heinrich von Treitschke, 1834-1896, Historiker, Publizist, Politiker. Er trug mit seinen Publikationen dazu bei, dass der Antisemitismus in der Kaiserzeit gesellschaftsfähig wurde. Die Straße wurde 1898 benannt. Die Benennung entspricht nicht mehr den heutigen Wertvorstellungen.


Treitschkestraße in Karlsruhe< Erläuterungsschild zur Treitschkestraße in Karlsruhe, Foto: Stadt Karlsruhe, 2016

Dies sollte nicht nur Anlass sein nachzudenken über unsere Erinnerungskultur in der städtischen Öffentlichkeit Mönchengladbachs. Diese muss Vorrang vor Straßenumbenennungen haben. Wünschenswert wäre in jedem Fall eine Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und gegebenenfalls auch eine Korrektur oder Kommentierung, aber auch dann, wenn das ‚Geschichtsbild‘ der betreffenden Person nicht positiv ausfällt.

In den letzten Jahren hat es aus der frauenpolitisch interessierten Bürgerschaft heraus Anregungen gegeben, angesichts der sehr männerdominant benannten Straßenszenerie doch mehr Straßennamen nach verdienten Frauen aus der Stadt zu benennen. Hierauf reagierte die Politik mit dem Aufruf, doch entsprechende Vorschläge zu unterbreiten. Das verlief aber dann leider recht dünne. Dies wird sicherlich nicht daran gelegen haben, dass es in Mönchengladbach keine im Sinne der Gemeinschaft verdienten Frauen gab und gibt, sondern, dass es dazu eine vollkommen unterentwickelte Überlieferung gibt – es wurde auf so etwas offensichtlich bislang kaum geachtet. Auch das sollte sich ändern.

Autor: Karl Boland / Hans Schürings

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Vereinsvorstellung Geschichtswerkstatt Mönchengladbach

Logo GW

Die „Geschichtswerkstatt“ ist ein Zusammenschluss von Personen, die sich bereits seit über 25 Jahren mit der Lokalgeschichte Mönchengladbachs beschäftigen. Hier sind im Laufe der Jahre Ausstellungen, Bücher und Aufsätze entstanden, die sehr unterschiedliche Themen der Stadtgeschichte aufgreifen. So z.B. zuletzt ein Buch über Mönchengladbach und der Erste Weltkrieg, ein Aufsatz über Joseph Beuys und Mönchengladbach, das Problem der Säuglingssterblichkeit bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, die Geschichte des Karnevals in Rheydt, die Zwangsarbeit von Ausländern während der Zeit des II. Weltkrieges, ein Aufsatz über das „Gladbacher Haus“ und vieles andere.

Die „Geschichtswerkstatt“ fühlt sich einem sozialhistorischen Ansatz unter alltagshistorischer Perspektive verpflichtet. Die Bemühungen gehen dahin, die Wirkung historischer Prozesse auf das Alltagsleben der Menschen zu untersuchen und dies unter Berücksichtigung der Besonderheiten des regionalen Umfeldes.

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