Standort

Standort
Freitag, 25 Juni 2021

Geschichtswerkstatt

Mönchengladbach

FrauenVita | Frauen- geschichtsverein e.V.
Wir stellen uns vor
AKTUELLES | INFO | VERANSTALTUNG
Geschichtswerkstatt Mönchengladbach
Wir stellen uns vor
AKTUELLES | INFO | VERANSTALTUNG
Ges. f. Christl.- Jüd. Zusammenarbeit e.V.
Wir stellen uns vor
AKTUELLES | INFO | VERANSTALTUNG
Theo-Hespers-Stiftung e.V.
Wir stellen uns vor
Die Erneuerung der Lebensverhältnisse ist aber nur dann praktisch durchführbar, wenn ihr eine neue Gesinnung zu Grunde liegt" | Theo Hespers 1938

Aktivitäten der Vereine


Theo-Hespers-Stiftung
Gedenken an Widerstandskämpfer Theo Hespers Am 27. Januar, am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, hat auch das Gladbacher Haus der Erinnerung wieder der Opfer gedacht – darunter dem Mönchengladbacher Widerstandskämpfer Theo Hespers. Coronabedingt war eine Veranstaltung ...
[mehr]
Gladbacher Haus der Erinnerung
Gedenken zur Stärkung der Demokratie und Achtung der Menschenwürde Ihr werdet, hoffe ich, noch einmal die neue schöne Zeit erleben, nach der ich mich immer sehnte, und in einem glücklichen Volk, friedlich, gesättigt und froh leben. Ich wünsche es allen Menschen." Theo Hespers Als der ...
[mehr]
Geschichtswerkstatt
Einführung der Herausgeber „Heimat (…) wird nicht länger als Kulisse verstanden, sondern als Lebenszusammenhang, als Element aktiver Auseinandersetzung, die nicht an äußeren Symbolen und Emblemen des Heimatlichen Halt macht.“1 Was ist Heimat? Allein schon Begriffe wie Heimweh und ...
[mehr]
Theo-Hespers-Stiftung
Kommentar Dieser Straßenname ist eindeutig eine Angelegenheit, über die der Rat unserer Stadt entscheiden muss.Straßennamen von Persönlichkeiten sind eine Ehrung. Eine nachträgliche Beurteilung sollte berücksichtigen, wer, wann und mit welcher Intention diese Ehrung ...
[mehr]
FrauenVita/Frauengeschichtsverein
Am 19.Januar 1919 konnten Frauen erstmals zu den Wahlen der Verfassungsgebenden Nationalversammlung als Kandidatinnen antreten und wählen. 82 Prozent der Frauen nahmen damals ihr Wahlrecht wahr und der Frauenanteil in der Nationalversammlung betrug 9 Prozent. Am 30. November 1918 wurde nach ...
[mehr]
Geschichtswerkstatt
Mönchengladbach und seine Richtlinien für Straßenbenennungen (LagebezRL MG) „Ich rede von der Demokratie als etwas Kommendem. Das, was schon jetzt so heißt, unterscheidet sich von den älteren Regierungsformen allein dadurch, daß es mit neuen Pferden fährt: Die Straßen sind noch die ...
[mehr]
Gladbacher Haus der Erinnerung
Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus (Internationalen Holocaust-Gedenktag) Auch dieses Jahr hatten die beiden Mitgliedsvereine des "Gladbacher Haus der Erinnerung e.V.", die Gesellschaft für Christlich-Jüdische-Zusammenarbeit MG e.V. und die Theo-Hespers-Stiftung e.V. zu einer ...
[mehr]
Geschichtswerkstatt
Ein Diskussionspapier „Die gestaltete Stadt kann ‚Heimat‘ werden, die bloß agglomerierte nicht, denn Heimat verlangt Markierungen der Identität eines Ortes.“ (Alexander Mitscherlich) [2]     Schon lange machen sich mehr oder weniger kluge Köpfe in und ...
[mehr]
Geschichtswerkstatt
MENSCHEN KOMMEN,GEHEN UND VERÄNDERN DIE STADT von Karl Boland (Hrsg.), Hans Schürings (Hrsg.) Das Anliegen des Buch es ist es, am Beispiel der Stadt Mönchengladbachzu zeigen, dass Zu- und Abwanderungen von Menschen bzw. Menschengruppenin ihren vielfältigenFormen und Erscheinungen im ...
[mehr]
Gladbacher Haus der Erinnerung
Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus (Internationalen Holocaust-Gedenktag) Im neuen Ernst-Christoffel-Haus, dem evangelischen Gemeindehaus an der Wilhelm-Strauß-Straße in Mönchengladbach-Rheydt, fand die diesjährige Gedenkstunde für alle Opfer des Nationalsozialismus ...
[mehr]
Geschichtswerkstatt
Nicht nur in Krefeld, auch in der Vitusstadt gab es einst eine florierende Seidenindustrie. Hans Schürings von der Geschichtswerkstatt erläutert am Beispiel des ehemaligen Unternehmens Max Arnz, welche Bedeutung diese zeitweise hatte. Das ursprüngliche Werk um das Jahr 1950 herum. 1929 war ...
[mehr]
Theo-Hespers-Stiftung
Rückblick auf den Festakt vor der zukünftigen Theo-Hespers-Gesamtschule vom Samstag, 9. September 2017 Ansprachen Ferdinand Hoeren, Theo-Hespers-Stiftung e.V. Hans Wilhelm Reiners, Oberbürgermeister Susanne Titz, Museumsdirektorin Abteiberg (Raphaela Hahn, Schulleiterin der ...
[mehr]
Geschichtswerkstatt
Die Gladbacher Spinnerei und Weberei AG – heute Berufskolleg „Die Gebäude der Gladbacher Aktienspinnerei und Weberei kennzeichnen beispielhaft die Entwicklung der Fabrikarchitektur im Rheinland um 1850. Diese stellt sich durch eine bewußte Inszenierung mit Bedeutungsformen aus der ...
[mehr]
Gladbacher Haus der Erinnerung
An alle Ratsmitglieder der Stadt Mönchengladbach Sehr geehrte Damen und Herren, der Vorstand des GHE begrüßt es, dass der Rat beschließen will, dem „Riga-Komitee“ beizutreten, und die Stadt Mönchengladbach sich verpflichtet, für Erhalt und Pflege der Gedenkstätte in Riga mindestens ...
[mehr]
Geschichtswerkstatt
„Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl“ Herbert Grönemeyer   Wenn von Heimat gesprochen wird hat dies sehr viel mit Tradition vor Ort bzw. dem näheren individuellen Umfeld zu tun. Dazu gehören vor allem Gefühle, Erinnerungen und soziale Anbindungen und Zugehörigkeiten, ...
[mehr]
Geschichtswerkstatt
Kriegserfahrungen und Alltagsbewältigung von Karl Boland (Hrsg.), Hans Schürings (Hrsg.) Wie hat der Erste Weltkrieg das Leben in Mönchengladbach geprägt? Die Beiträge des Bandes beschäftigen sich mit den Geschehnissen in den Städten und Gemeinden in der Region, die heute die Stadt ...
[mehr]
FrauenVita/Frauengeschichtsverein
Der Frauengeschichtsverein FrauenVita stellte sich der Öffentlichkeit zu Eröffnung des Gladbacher Hauses der Erinnerung (GHE) unter dem Thema „Frauenbilder - Frauengeschichten“ vor – gleichlautend zum Titel der Ausstellung, die an diesem Tag in den neuen ...
[mehr]
Geschichtswerkstatt
Mönchengladbacher Lokalhistorie Die „Geschichtswerkstatt“ hat jetzt in den Räumen des „Gladbacher Hauses der Erinnerung“ einen Raum gefunden, im dem lokalhistorische Projekte erarbeitet und einem interessierten Publikum vorgestellt werden können. Die Arbeit ...
[mehr]
Geschichtswerkstatt
Dr. phil Doris Sessinghaus-Reisch vom Mittwoch, 7. Dezember 2016 im Gladbacher Haus der Erinnerung     Geschichtswerkstatt Mönchengladbach
[mehr]
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
[mehr]
Prev Next

Heimat, Identität und Mönchengladbach

Einführung der Herausgeber

Heimat (…) wird nicht länger als Kulisse verstanden, sondern als Lebenszusammenhang, als Element aktiver Auseinandersetzung, die nicht an äußeren Symbolen und Emblemen des Heimatlichen Halt macht.“1

GW Umschlag Heimat v4Was ist Heimat? Allein schon Begriffe wie Heimweh und Heimatverlust, heimatlos und heimisch, Unheimat und Heimatt2, verheizte, himmlische und hippe Heimat, Heimatliebe und Heimaterde sowie multilokale Heimat oder gar Hybridheimat machen deutlich, dass es mit der Heimat nicht so einfach ist. Trotzdem wagen wir zusammen mit der Autor*innengemeinschaft den Versuch, uns dem Thema „Heimat und Identität in Mönchengladbach“ aus verschiedenen Blickwinkeln und thematischen Ansätzen anzunähern. Dennoch, abschließend kann auch in diesem Buch die Frage „Was ist Heimat?“ präzise nicht beantwortet werden.

Wird man persönlich gebeten, zu beschreiben, was genau mit Heimat gemeint ist, wirds in der Regel schwierig. Während ältere Menschen aus der Gewohnheit noch eher etwas mit dem Begriff anfangen können, kommen jüngere Stadtbewohner*innen ins Grübeln. Heimat ist eben kein analytischer Begriff, sondern eher ein individueller Wahrnehmungsbegriff. Wenn von Heimat gesprochen wird, hat dies zunächst sehr viel mit Herkunft, Tradition vor Ort bzw. dem näheren individuellen Umfeld zu tun.

Dazu gehören vor allem wahrgenommene Gefühle, Gerüche, Naturerleben, Erinnerungen und soziale Anbindungen und Zugehörigkeiten – kurz: Alltagserlebnisse, insbesondere als Kind oder Jugendlicher. Heimat hat mit überschaubaren sozialräumlichen Bezügen zu tun, also den sozialen Kontakten, ebenso wie dem gestalteten Umfeld – und letztlich der eigenen Identität – der Vorstellung von sich selbst.

Hermann Bausinger versteht unter Heimat eine räumliche Relation, lokalisierbar im Raum. Identität definiert er „als Übereinstimmung des Menschen mit sich und seiner Umgebung, (…) als Gegenbegriff zu Entfremdung.“ Vielleicht liegt der Unterschied zwischen beiden begriffen - vereinfachend formuliert - bei Heimat darin, wo ich mich wohl fühle, während Identität damit zu tun hat, wo ich hingehöre und was ich als ein Stück/Teil von mir ansehe. Mit der Vorstellung, dass Heimat als ein Teil von sich selbst betrachtet und erlebt wird – also Bestandteil unserer Identität ist –, können wir unseres Erachtens beim Lesen der Aufsätze dieses Buches ganz gut klarkommen, wenn es darum geht, die Bedeutung von Heimat für jeden von uns einzuschätzen.

In unserem Buch geht es um alles andere als um ein nostalgisches Beschreiben bzw. Festhalten an „der Heimat“, sollte es diese als einen eindeutigen Begriff überhaupt geben. Dennoch sind Phänomene wie der „Röhrende Hirsch“ im Wohnzimmer und der „Gartenzwerg“ auf dem Rasen des Kleingartens als vage Relikte einer fernen unbewussten Heimatsehnsucht durchaus ernst zu nehmen.

Die über die Zeit vollzogene Metamorphose sieht heute schließlich so aus: Angesagt sind hippe, coole Gartenzwerge mit Hipster-Brille, Szene-Bars mit röhrenden Hirschen an den Wänden und stylische urbane Schrebergärten, gern auch auf dem Dach eines Hauses.4

Schon im Jahr 1907 konstatierten die Verfasser des immer wieder neu aufgelegten heimatstädtischen Klassikers „Unsere Heimat“ in Mönchengladbach: „Leider verliert das Wort Heimat in dem Hasten und Treiben unserer raschlebigen Zeit, bei dem Ab- und Zuwandern der Bevölkerung, besonders in den Industriebezirken, mehr und mehr seinen alten herzlichen Klang.“5 Zu dieser Zeit vor dem I. Weltkrieg verbreitete sich im deutschen Bürgertum die aufkommende sogenannte Heimatschutzbewegung6 als zivilisationskritischer Reflex auf Industrialisierung, Verstädterung und technisierter Modernität sowie der durch den Wegzug vom Land im wahrsten Sinn heimatlos gewordenen zahlreichen Industriearbeiterschaft.7 Eine neue Heimat musste nach und nach begriffen und angeeignet, um nicht zu sagen geschaffen, werden, da die alte Heimatverbundenheit und -zugehörigkeit als aufgelöst galt. Die neuen rasant angewachsenen und ausufernden Städte konnten eine neue Heimat und Identität (noch) nicht bieten. Die Sorge um die Heimat, hat offensichtlich viel zu tun mit der Angst vor dem Verlust von Heimat.

Der Begriff bzw. das Verständnis von und der Umgang mit Heimat hat seit der größten Bevölkerungswanderung Deutschlands infolge der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine vielschichtige Entwicklung durchgemacht.8 In groben Zügen: Von der Heimat als ursprüngliche Ortsbestimmung, über die emotional aufgeladene und missbrauchte Heimat zu einer selbst bestimmten, erarbeiteten, aktiv gestalteten Heimat.

Aber was macht Heimat heute aus, was verbinden wir damit? Wieso steht Heimat so hoch im Kurs, ist seit einiger Zeit permanent in der Diskussion, so dass Abteilungen in Ministerien auf Bundes- und Landesebne dafür gebildet werden müssen? Was sagen wir zu solcherlei Begriffsverbindungen wie „Laptop und Lederhose“, wie wir sie als stolz vorgetragenes heimatliches Statement z.B. aus Bayern kennen?

Unstrittig ist, dass Heimat mit Gefühlen zu tun hat. Heimat ist aber nicht ein Gefühl,9 sondern es sind die Vorstellungen und Assoziationen, die wir mit dem Begriff Heimat verbinden, sie erzeugen Gefühle. Aber darüber hinaus auch weitaus mehr. Heimat in erster Linie als Ort der Geburt oder Jugend zu bezeichnen, konstituiert heute allein kaum noch Identität. Dazu sind die Menschen viel zu mobil. Und zwar nicht nur räumlich. Über die Medien bekommen die Menschen heute unterschiedlichste Kulturpraktiken quasi ins Wohnzimmer geliefert. Wichtig ist deshalb heute die Chance insbesondere für Zugezogene, aber nicht nur, sich Heimat aneignen zu können durch die Mitgestaltung und Mitsprache im unmittelbaren Lebensraum am Ort des neuen Lebensmittelpunktes. Auch wenn sie buchstäblich vom anderen Ende der Welt herkommen.

Bild 2020 11 23 195742

Aber auch die Menschen in ihrer Stadt machen die Erfahrung, sich durch ein persönliches Engagement für ihr Wohnumfeld noch einmal neu zu erfinden. Beispielhaft sei hier in Mönchengladbach auf den Verein des Eickener Gründerzeitviertels verwiesen,10 der sich mit dem von den Mitgliedern bewohnten Stadtteil identifizierte und sich aus Sorge um den Niedergang des Viertels an der Gestaltung verschiedener Maßnahmen produktiv beteiligte und durch selbstorganisierte Veranstaltungen bereicherte. So kann Heimat neu verstanden werden. Ein anderes Beispiel wäre vielleicht der erfolgreiche Kampf vieler Mönchengladbacher in den 1980er Jahren gegen die sogenannte „Osttangente“, die Verbindung der A 44 zwischen Odenkirchen und Üdding/Neuwerk. Dieses Stück Autobahn hätte den Naherholungsraum am Schloss Rheydt stark geschädigt. Ein weiteres Beispiel ist die durch den Oberbürgermeister Heinz Feldhege im Jahre 1988 ins Leben gerufene Initiative „Rettet Schloss Rheydt!“. Hier beteiligten sich zahlreiche Bürger*innen mit Spenden, um ein zentrales Symbol der Heimat, eben das Schloss Rheydt, gegen den Zerfall zu retten. Damit engagierten sie sich nicht nur für den Erhalt eines einzigartigen Baudenkmals, sondern förderten damit zugleich auch den Gemeinschaftssinn der Stadtbevölkerung.

Wir kennen aus der Literatur ein ganzes Bündel unterschiedlicher, ja auch gegenseitig konträrer Deutungen zum Thema Heimat. Dabei gilt es, zwischen zum Teil sehr zugespitzten, weit auseinanderliegenden Ansichten den richtigen Ansatz zu finden, als da wäre das Verständnis Martin Walsers, der meint, „Wenn es sich um Heimat handelt, wird man leicht bedenkenlos. […] Heimat, das ist sicher der schönste Name für Zurückgebliebenheit.“11 Bereits Friedrich Hölderlin, dessen 250. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern, stellte 1798 in seinem Gedicht „Heimat“12 fest, dass man von außen eine andere Sicht auf Heimat hat und es nicht möglich ist, in dieselbe (unveränderte) Heimat zurückzukehren. Einen anderen (utopischen) Gegensatz stellt die Aussage Ernst Blochs in den Schlusssätzen seines Hauptwerks „Das Prinzip Hoffnung“ dar: „Die Wurzel der Geschichte ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“13

Heimat, so wäre unsere zeitgemäße These, fordert die Mitarbeit und das Engagement und Nachdenken aller Bürgerinnen und Bürger vor Ort. Das heißt, auch Fremde, Migranten, Zugewanderte etc. müssen darin beteiligt werden. Heimat muss individuell und kollektiv erarbeitet werden können. In Mönchengladbach mangelt es nach unserer Wahrnehmung an für alle Bürgerinnen und Bürger von Hardt bis Wanlo funktionierenden Identitätsangeboten und praktikablen Partizipationsmöglichkeiten, die auf das Zugehörigkeitsgefühl in der Gesamtstadt bezogen sind. Die chronisch deutlich unterdurchschnittliche Beteiligung der Mönchengladbacher an politischen Wahlen – insbesondere Kommunalwahlen – kann als Hinweis auf ein schwach entwickeltes Zugehörigkeitsgefühl der in der Stadt lebenden Menschen gedeutet werden. Wie wir wissen, trifft das nicht auf alle Bürger*innengruppen gleich zu und damit wären wir bereits an der wirklich interessanten Fragestellung, die sich in zahlreichen der in diesem Buch versammelten Aufsätze findet: Die Verbundenheit mit der Heimat Mönchengladbach ist bei den Menschen in der Stadt durchaus unterschiedlich stark ausgeprägt. Und das kann man im Grundsatz an ganz bestimmten Rahmenbedingungen festmachen, unter denen die Menschen in Mönchengladbach leben. Ob es sich um den Kernbereich des städtischen Establishments handelt, oder die stark gewachsene Gruppe der Zuwander*innen. Es gilt zu erkennen, dass es um Heimat geht, an deren Herstellung und Verweigerung Menschen aktiv beteiligt sind, und auch sein müssen.14

Es dürfte inzwischen kein Geheimnis mehr sein, dass trotz aller Globalisierungstendenzen, Global-Player-Existenzen und weltweiter Vernetzungen der Nahhorizont bzw. die unmittelbare Lebenswelt für den Menschen als identitätsstiftende Basis und Verwurzelung dennoch elementar ist und wohl auch bleibt. Wenn dies vielleicht auch an mehreren Standorten und in keiner romantisch nostalgischen Verklärung geschieht. Auch „multilokale Digitalnomaden“15 brauchen so etwas wie einen Heimathafen. Gemeint ist nicht zwingend eine materiell baulich unverwechselbare Lokalität, sondern es sind auch die zahlreichen verortbaren Narrative (kollektives Stadtgedächtnis),16 die so etwas wie Zugehörigkeit/Heimat aber auch Identität konstituieren. Die Auseinandersetzung mit der unmittelbaren Umwelt bzw. Lebenswelt kann durchaus zu einem Identitätsgewinn führen. Hierzu hoffen wir einen kleinen Beitrag beitragen zu können.

Zu bedanken haben wir uns für die Mitwirkung an diesem Buch bei den Autorinnen und Autoren, die ihre Beiträge ehrenamtlich verfassten und für das Projekt zur Verfügung stellten. Ferner bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Stadtarchiv Mönchengladbach und in der Stadtbibliothek. Dank geht auch an die beiden zuverlässigen Korrekturleser*innen Conni Hedwig und Stefan Mnich sowie den Mitarbeitern des Kühlen-Verlages Mönchengladbach, die das Werden des Buches mit großem Interesse und großem Vertrauen in den Erfolg des Projektes begleitet haben. Zu bedanken haben wir uns auch bei unserem Setzer Jürgen Lasenga, der die Manuskripte bearbeitete sowie bei den finanziellen Förderern der Drucklegung des Buches, ohne die das Buch nicht zu verwirklichen gewesen wäre (siehe dazu den Hinweis auf der ersten Innenseite des Buches).

Nachsatz:

Noch völlig offen sind die Auswirkungen durch die gegenwärtige Corona-Krise / Pandemie auf die aktuelle Heimat-Diskussion. Völlig neue unbekannte Aspekte treten nunmehr in den Vordergrund. So formuliert Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung: „Die Corona-Kries fühlt sich an wie eine Entheimatung der Heimat – zum Schutz der Menschen und auf Zeit, wie es zur Beruhigung heißt.17

Mönchengladbach im Oktober 2020

1 Bausinger, Hermann: Heimat und Identität, in: Moosmann, Elisabeth (Hg.): Heimat – Sehnsucht nach Identität, Berlin, 1980, S. 13-29, hier S. 26

2 Vgl. Armin Nassehi, Peter Felixberger (Hg.): Heimatt, Kursbuch Nr. 198, 2019

3 Bausinger, Anm. 1, hier S. 13 +24

4 Vgl. Scharnowski, Susanne: Heimat – Geschichte eines Missverständnisses, Darmstadt, 2019, S. 169

5 Nolden, Hans; Veumann, Peter; Richartz, Eduard; Wiebringhaus, Franz; Dünte, Bernhard: Unsere Heimat, Eine Heimatkunde des Kreises Gladbach und der Stadtkreise M.Gladbach und Rheydt, M.Gladbach, 1907, S. 5

6 Vgl. Rudorff, Ernst: Heimatschutz, Berlin, 1897

7 Vgl. hierzu die literarisch anschaulichen Romane und Geschichten von Clara Viebig, u.a. Heimat – Eifel-Novellen, Briedel/Mosel, 1999² (zuerst 1914) und Das Weiberdorf, Zell/Mosel, 20169 (zuerst 1900)

8 Vgl. Scharnowski, Anm. 4

9 Grönemeyer, Herbert: „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl“, 1999

10 Siehe hierzu das Buch zum Günderzeitviertel von Gruben, Ute; Dorando, Arne: Ein starkes Stück Gladbach, Mönchengladbach, 2013

11 Walser, Marin: Heimatkunde, Aufsätze und Reden, Frankfurt/M., 1996 (zuerst 1968). Der zweite Satz ist in der Sonderausgabe von 1996 nicht mehr vorhanden.

12 Hölderlin, Friedrich: Die Heimath - Zweistrophige Fassung
Froh kehrt der Schiffer heim an den stillen Strom
Von fernen Inseln, wo er geerndtet hat;
Wohl möcht’ auch ich zur Heimath wieder;
Aber was hab’ ich, wie Laid, geerndtet? –
Ihr holden Ufer, die ihr mich auferzogt
Stillt ihr der Liebe Laiden? ach! gebt ihr mir,
Ihr Wälder meiner Kindheit, wann ich
Komme, die Ruhe noch Einmal wieder?

13 Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung, Gesamtausgabe in 16 Bänden, Band 5, Frankfurt/M., 1977, S. 1628

14 Vgl. Bausinger, Anm. 1

15 Vgl. Scharnowski, Anm. 4

16 Vgl. Assmann, Aleida: Der lange Schatten der Vergangenheit – Erinnerungskultur und Geschichtspolitik, München, 2018³

17 Prantl, Heribert: Lehre und Leere – Zum Internationalen Tag des Denkmals: Wie später einmal die Erinnerung an die Corona-Kries aussehen könnte, Süddeutsche Zeitung, 18. April 2020

gspeechLassen Sie sich die Texte auf dieser Seite vorlesen. Markieren Sie dazu den Text und klicken anschließend auf das eingeblendete Lautsprecher- symbol. 

Vereinsvorstellung Geschichtswerkstatt Mönchengladbach

Logo GW

Die „Geschichtswerkstatt“ ist ein Zusammenschluss von Personen, die sich bereits seit über 25 Jahren mit der Lokalgeschichte Mönchengladbachs beschäftigen. Hier sind im Laufe der Jahre Ausstellungen, Bücher und Aufsätze entstanden, die sehr unterschiedliche Themen der Stadtgeschichte aufgreifen. So z.B. zuletzt ein Buch über Mönchengladbach und der Erste Weltkrieg, ein Aufsatz über Joseph Beuys und Mönchengladbach, das Problem der Säuglingssterblichkeit bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, die Geschichte des Karnevals in Rheydt, die Zwangsarbeit von Ausländern während der Zeit des II. Weltkrieges, ein Aufsatz über das „Gladbacher Haus“ und vieles andere.

Die „Geschichtswerkstatt“ fühlt sich einem sozialhistorischen Ansatz unter alltagshistorischer Perspektive verpflichtet. Die Bemühungen gehen dahin, die Wirkung historischer Prozesse auf das Alltagsleben der Menschen zu untersuchen und dies unter Berücksichtigung der Besonderheiten des regionalen Umfeldes.

 

Cover GHE Faltblatt2016

Click to listen highlighted text! Powered By GSpeech